Der Schutz unseres Kulturlandes wird zunehmend wichtiger
Die Siedlungsentwicklung hat in den vergangenen Jahrzehnten zu einem starken Landverlust geführt (fast 1m2/Sekunde). Davon betroffen sind vor allem die besten Landwirtschaftsböden. Der Verlust an Boden ist irreversibel. Es braucht hunderte von Jahren, um einen Boden zu bilden. Während unser Bestand an Kulturland sich dauernd verringert, wächst die Bevölkerung kontinuierlich. Es handelt sich um ein Phänomen, das man in den meisten Ländern beobachten kann. In der Schweiz verfügen wir, wie unsere Nachbarländer, über wenig Landwirtschaftsland, das besonders fruchtbar ist. Das Prinzip der Nachhaltigkeit verpflichtet uns jedoch, den kommenden Generationen intakte Ressourcen zu hinterlassen, welche ihnen auch eine sichere Nahrungsversorgung ermöglicht. Deshalb hat der Bundesrat 1992 den Sachplan Fruchtfolgeflächen (FFF) erlassen. Im Sachplan FFF sind u. a. für die einzelnen Kantone Kontingente an ackerbaufähigem Landwirtschaftsland (Fruchtfolgeflächen) festgelegt. Für unseren Kanton wurde ein Mindestumfang an FFF von 27 500 ha festgelegt. Per Ende 2011 wies der Kanton noch rund 27 650 ha aus. Dies entspricht nur noch einer «Reserve» von 150 ha.
Wenn wir nun den Fokus ein wenig öffnen und einen Blick in die Zukunft werfen und uns Fragen, brauchen wir überhaupt solche Vorgaben, brauchen wir eine eigene Versorgung? Fakt ist, die Weltbevölkerung nimmt weiterhin zu. Die Fachwelt scheint sich einig zu sein, dass sich die Gesamtbevölkerung bei 9 bis 10 Milliarden Erdbewohnern einpendeln wird. Das sind immerhin 2 bis 3 Milliarden Menschen mehr, die auch «ernährt sein müssen». Die Konkurrenz um gute, ertragreiche Böden wird in den kommenden Jahren zunehmen. Zugleich wendet sich die Agrarpolitik der Industrieländer ab vom hochintensiven Modell und orientiert sich zusehends an einer ökologisch und multifunktional verstandenen Landwirtschaft. Damit geht das bisher erreichte Ertragsniveau tendenziell eher zurück.
Wenn man all diese Parameter berücksichtigt, stellt man fest, dass mittel- bis langfristig mit zunehmendem Hunger in der Welt zu rechnen ist, der nicht auf Verteilungsproblemen beruhen wird, sondern auf Mangel an nutzbaren Böden, respektive auf einer steigenden Anzahl zu ernährender Menschen. Es wird darum zu einem Akt der Solidarität, wenn reiche Länder wie die Schweiz sich nicht unbesehen auf dem Weltmarkt eindecken, um die eigene Versorgung abzudecken. Es ist nötig, dass sich diese Länder bemühen, möglichst viele Nahrungsmittel aus dem eigenen Land zu produzieren. Denn jede Tonne auf dem Weltmarkt eingekaufte Menge Brot- oder anderes Getreide könnte dazu dienen, hungernde Menschen zu ernähren. Ein möglichst hoher Selbstversorgungsgrad wird somit zum ethischen Postulat.
Auf die Gegenwart bezogen heisst dies: Die Problematik der schwindenden FFF darf uns nicht unberührt lassen. Im Wissen darum, dass für die Volkswirtschaft eine florierende Bauwirtschaft von grösster Bedeutung ist, gilt es hier ebenso nachhaltig zu wirtschaften und mit dem Boden sorgsamer umzugehen, damit auch zukünftige Generationen sich noch entwickeln können. Hochhäuser, verdichtetes Bauen, Umnutzung von Industriebrachen,… all diese «Themen»dürfen zukünftig keine Tabuthemen mehr sein.
Doch auch von «anderer Seite» droht neustens den FFF Ungemach. Im Zusammenhang mit der neuen Gewässerschutzverordung droht bestes Kulturland zu verschwinden. Allein im Kanton Luzern könnten so 60 bis 150 Hektaren ackerfähiges Land für sogenannte «Revitalisierungen von Fliessgewässern » für immer verloren gehen. Dies kann und darf so nicht geschehen, denn mit diesen Massnahmen würde weit über das Ziel hinausgeschossen.
